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Auf
dem Landweg nach Indien (1990)
Am 8. Dezember brachen wir auf, mein Freund
Franz und ich. Wir hätten es besser wissen müssen. Doch das typisch
nasskalte Dezemberwetter trieb uns nach Süden. In der Türkei ist es
bestimmt wärmer als zuhaus - da waren wir uns sicher. Und hatten uns doch
schwer getäuscht. Am Ararat lag der Schnee fast 1m hoch, auf dem Pass war
für Motorräder kein Durchkommen. Erst als unsere beiden Hondas auf der
Ladefläche eines LKW notdürftig verstaut waren und wir beide uns im
Führerhaus neben dem Fahrer zusammenquetschten, konnten wir unsere Reise
Richtung Iranische Grenze fortsetzen.
Auch die LKW-Fahrer hatten mit der ungewohnten Kälte zu kämpfen:
bei -25°C sulzt auch Diesel-Kraftstoff. Also Warten auf besseres Wetter? Keineswegs.
Die türkischen Fahrer wussten sich zu helfen: vor der Grenze zum Iran standen
die LKW einer hinter dem anderen, ein ganzer Konvoi, und unter fast jedem Tank
brannte ein kleines Lagerfeuer...
Durch den Iran, in dem vor 16 Jahren noch die Scharia die Kleidung der Frauen
vorschrieb, über kaum zu befahrende Schotter-Sand-Pisten in Pakistan, wo
wir einige Tage lang die Armut der Bevölkerung teilten: außer Reis
mit Sand und Tee gab es nicht viel - gelangten wir schließlich nach Indien.
Wir überlebten den aberwitzigen indischen Verkehr, gelangten mit viel Glück
auf der Grand Trunk Road nach Delhi. In Keralla waren wir badende Touristen wie
viele andere auch. Die riesige Metropole Bombay erschreckte uns durch die unvorstellbare
Armut: nicht einmal den Slum können sich 1 Million Menschen dort leisten:
sie betteln, schlafen, hungern auf Bürgersteigen und den staubigen Mittelstreifen
der Straßen. Nach
fünf Monaten, die uns mit dem Motorrad durch faszinierende, fremdartige Länder
führten, verlud ich meine Maschine in Katmandu ins Flugzeug und ließ
mich nach Haus befördern. Meine erste lange Motorrad-Reise. |